Kunstpädagogische Projekte
Künstlerische Sonderprojekte für Jugendliche

gefördert von:




Sommerprojekt 2012



kunstFALL - Kostüm, Performance ... Sprung 2012
ein kunstpädagogisches Projekt der Kunstschule Offenburg


kunstFALL 2012 – SprungKunstPerformance

am 2.8.2012 im Stegermattbad Offenburg
Fotos: Ulrich Marx



Freibad wird zum Laufsteg
Premiere des Workshops »Kunstfall«: Ungewöhnliche Vorführung von selbst entworfenen Modellen

So etwas Verrücktes haben die Besucher des Stegermattbades bislang noch nicht gesehen: Am Donnerstag präsentierten Teilnehmer des Kunstschul-Workshops »Kunstfall« ihre entworfenen Modelle – allerdings nicht auf dem Laufsteg, sondern mit spektakulären Sprüngen vom Dreimeterbrett.

Offenburg. Gespannt versammeln sich am Donnerstagabend knapp hundert Schaulustige um das 50-Meterbecken im Stegermattbad. Wenige Minuten vor der großen Aufführung werden die letzten Handgriffe gemacht: Kostüme richtig drapiert, Körper und Gesichter bunt bemalt und sich gegenseitig Mut zugesprochen. Anlass der Aufregung: Der verrückte Sommerworkshop der Kunstschule Offenburg, »Kunstfall«, feiert seine Premiere. 16 junge Leute im Alter zwischen 14 und 22 Jahren inszenierten ihre selbst designten Kostüme. »Ich habe schon etwas Angst«, erzählt Teilnehmerin Mila Krankenberg. Vor allem vor dem Sprung hat die 14-jährige Schülerin Respekt. Doch für die Sicherheit der Jugendlichen ist gesorgt: Rettungsschwimmer sind vor Ort.

Wie eine Trophäe

Der letzte Blick in den Spiegel – dann geht es los: Laute Musik dröhnt aus den Boxen und gibt das Startsignal: Modedesign-Studentin Theresa Wachter eröffnet die Show. Eingehüllt in Luftpolsterfolie wird sie von zwei Bademeistern wie eine Trophäe durch das Wasser zum Austragungsort der Performance, dem Dreimeter-Sprungturm, getragen. Die 23-Jährige springt ins Wasser – ihre Schützlinge folgen in ausgeflippten, verrückten und kreativen Kostümen. Aus den unterschiedlichsten Materialien wurden bezaubernde, erschreckende und skurrile Outfits entworfen. Als Milchflasche, Riesenkrake, Segelboot oder Popcorn-Tüte verkleidet, springen die Teilnehmer mal ängstlich mit einem lauten Schrei oder lässig und schnell mit Anlauf ins Becken. Aber auch abstrakte Kostüme, die nicht auf den ersten Blick erahnen lassen, was sie darstellen sollen, werden präsentiert. Kronen, überdimensionale Brillen und Federn zieren die Jugendlichen. Tanz- und Theatereinlagen unterstreichen ihre Darbietungen. Abgeschlossen wird der erste Offenburger »Kunstfall« mit einem Kostüm aus Konsumabfällen, das beim Sprung an einen Schmetterling erinnert. Belohnt werden die Akteure mit tosendem Applaus. »Die Idee, hier im Freibad so ein Projekt zu machen, ist super. Die Kostüme haben in dieser Kulisse unglaublich toll gewirkt«, kommentiert Zuschauerin Caroline Glatt. »Ich hoffe, dass es einen zweiten Kunstfall geben wird.« Ausgeschlossen ist das nicht, denn auch Kunstschulleiter Heinrich Bröckelmann ist von der Show und der positiven Resonanz begeistert. »Es könnte zu einer regelmäßigen, schrägen Inszenierung werden«, denkt er laut.

Seit Jahren geplant

Die Idee, die schon seit vier Jahren besteht, hat sich übrigens erst diesen Sommer – mit der Unterstützung des Jugendfonds Ortenau und der TBO-Bäderabteilung – realisieren lassen. Zu Beginn habe die Idee bei den Jugendlichen für Skepsis gesorgt, erzählt Kunstschulleiter Heinrich Bröckelmann. Doch nach und nach konnte das Interesse der jungen Leute geweckt werden. Eine Woche lang arbeiteten die Teilnehmer selbstständig an ihren Kleidungsstücken, die gestern innerhalb von zwei Minuten nass und kaputt aus dem Schwimmbecken gefischt wurden. »Doch das ist die Kunstform, die wir zeigen wollen«, erklärt Bröckelmann. »Performance-Art«, wie sich diese Kunstrichtung nennt, ist vergänglich und einmalig. »Wie ein Feuerwerk, das nur für einen kurzen Moment zu sehen ist. Eine Mischung aus bildender und darstellender Kunst, mit der sich der Betrachter selbst identifizieren kann.«

Baden-Online 04.08.2012 (Lea Dahmen)








Sommerprojekt 2011



Kulturmelange - Performative Heimatsprünge
ein kunstpädagogisches Projekt der Kunstschule Offenburg


Jeder trägt einen Schatz mit sich
Bei der "Kulturmelange" haben 25 Jugendliche mit Wurzeln im Ausland gemeinsame Ausdrucksformen gesucht und gefunden.



Aus Theater, Tanz und Pantomime entstand eine Form, die die Zuschauer inspirieren soll. Foto: Gertrude Siefke

OFFENBURG. Nach zwei kompakten Workshopwochen und mehreren Arbeitsproben geht die "Kulturmelange" in ihre heiße Phase: Mit dem viel versprechenden Titel "Die Schlange in dem Wasserrohr" kündigt die Kunstschule vier Aufführungen im Oktober an. Zwölf Jugendliche aus zehn verschiedenen Ländern, die in Offenburg zu Hause sind, haben mit professioneller Unterstützung eine Tanz-Theater-Performance erarbeitet.

Hiba Kheiro ist Kurdin und stammt aus dem Irak. "Ich will tanzen und singen", verrät die 15-Jährige. Damit ist sie bei dem neuen Projekt der Kunstschule ebenso gut aufgehoben wie Lena Amberger aus dem Schwarzwald, die erklärt: "Ich habe hier viele nette Leute kennen gelernt – es macht wahnsinnig viel Spaß." Auch Adelina Slijaj aus dem Kosovo ist begeistert: "Der Zusammenhalt hier ist echt toll." Sarah Dold, Eliane Ouraga und Herbert Gerlitz vervollständigen die Truppe an diesem Samstagmittag, hinzu kommt Lina, die derzeit ein Praktikum an der Kunstschule absolviert.

25 Jugendliche waren es insgesamt, die sich an dem Angebot beteiligten, das von der Bürgerstiftung St. Andreas und dem Jugendfonds Ortenau finanziell unterstützt wurde. Eingeladen waren junge Leute, die familiäre und kulturelle Wurzeln außerhalb Deutschlands haben. Mit den Mitteln der Kunst sollte ein Ort der Begegnung und des Austauschs geschaffen werden. Politische Aspekte sollten außen vor bleiben. "Wir wollen veranschaulichen, was sich 2011 in Offenburg abspielt", sagt Ofer Sagie aus Israel, der mit dem Italiener Enrico Tedde Regie führt und Tänze sowie Szenen einstudiert. Erfahrungen werden in symbolische Handlungen umgewandelt und somit von individueller Betroffenheit losgelöst, formuliert der Leiter der Kunstschule, Heinrich Bröckelmann, den Ansatz. In einer Szene zum Beispiel halten die Akteure Gegenstände und reichen sie weiter – das Leben als Wanderung mit wechselndem Gepäck: "Jeder von uns trägt einen Schatz mit sich", betont Sagie. Es gelte nicht nur, Traditionen zu bewahren, sondern sie auch als fruchtbare Rohstoffe für die Zukunft zu begreifen.

Alle Teilnehmer gaben Einblick in ihren Lebensweg

Am Anfang stand ein zwölftägiger Workshop. Alle Teilnehmer gaben Einblick in ihren Lebensweg und erzählten von sich, den Eltern, den Vorfahren. Hinzu kam das Handwerkszeug für einen gelungenen Auftritt. Artikuliertes Sprechen wurde einstudiert, Bühnenpräsenz, klassischer Tanz. "Das war durchaus harte Arbeit", verriet Sagie. Was später leicht und fließend aussehen soll, muss intensiv geprobt werden. Am Ende der ersten Phase gab es bereits eine Aufführung, nichtöffentlich, versteht sich: "Es war eine Form entstanden", so Sagie, obwohl kein Konzept, kein Drehbuch vorlag. Gewissermaßen aus sich selbst heraus haben die Jugendlichen eine gemeinsame Körpersprache gefunden. Loslassen und Weitertragen ist ein Aspekt, das Wechselspiel von Individuum und Gruppe ein weiterer.

Die öffentlichen Aufführungen werden im Theatersaal der Kunstschule stattfinden. Der ganze Raum soll bespielt werden, es geht um Kontakt zwischen den Darstellern und dem Publikum. Idealerweise soll sich an das Stück eine Diskussion anschließen.

Bleibt die Frage, was es mit dem Titel auf sich hat. Sagie: "Die Geschichte, die dahinter steckt, wird noch nicht verraten." Die Schlange habe etwas mit Weisheit und Heilung zu tun, das Wasser stehe für Leben. "Die Schlange in dem Wasserrohr" klingt auf jeden Fall spannender als "Die Weisheit des Lebens".

Badische Zeitung 29.09.2011 (Gertrude Siefke)